Rund 80 öffentliche Bibliotheken verteilen sich über die zwölf Berliner Bezirke, dazu kommen die beiden Häuser der Zentral- und Landesbibliothek. Wer sie alle nutzen will, braucht dafür genau eine Karte. Das wissen erstaunlich wenige, selbst unter Leuten, die seit Jahren in der Stadt wohnen.
Der VÖBB: eine Karte für alle Bezirke
Hinter dem sperrigen Kürzel VÖBB steckt der Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins. Der Ausweis kostet für Erwachsene 10 Euro im Jahr, ermäßigt die Hälfte, für Kinder und Jugendliche unter 18 ist er kostenlos. Dafür gilt er in jeder Stadtbibliothek von Spandau bis Marzahn. Ausgeliehene Medien müssen nicht dorthin zurück, wo sie herkommen: Ein in Pankow geliehener Roman darf in Neukölln abgegeben werden. Bestellungen aus anderen Bezirken landen auf Wunsch in der Bibliothek um die Ecke.
Die ZLB: zwei Häuser, ein Riese
Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin ist die größte öffentliche Bibliothek Deutschlands und verteilt sich auf zwei Standorte: die Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz in Kreuzberg und die Berliner Stadtbibliothek in der Breiten Straße in Mitte. Die Amerika-Gedenkbibliothek gehörte zu den ersten großen Häusern der Stadt, die auch sonntags öffneten, und ist an Wochenenden entsprechend gut besucht. Wer einen ruhigen Arbeitsplatz sucht, kommt besser vormittags unter der Woche.
Digitale Regale: E-Books, Filme, Zeitungsarchive
Der Ausweis endet nicht an der Ausleihtheke. Über das VÖBB-Konto lassen sich E-Books und Hörbücher auf Tablet oder Reader laden, dazu kommen ein Filmstreaming-Angebot, Sprachkurse und Zeitungsdatenbanken, in denen sich Artikel großer Tages- und Wochenzeitungen im Volltext durchsuchen lassen. Für Familien lohnt ein Blick in die Kinderabteilungen: Von Experimentierkästen bis zu Sachbüchern findet sich dort viel Material, mit dem sich naturwissenschaftliche Fächer schon vor der Schulzeit spielerisch anbahnen lassen.
Lernort für Studierende und alle, die es werden wollen
An Prüfungstagen sind die Plätze in den Universitätsbibliotheken schnell vergriffen. Die Stadtbibliotheken fangen einiges davon auf, mit WLAN, Steckdosen und teils buchbaren Gruppenräumen, ganz ohne Immatrikulationsbescheinigung. Wer noch vor der Entscheidung für eine Hochschule steht, findet in unserem Überblick zum Studieren in Berlin eine Einordnung der einzelnen Häuser. Und wer längst im Berufsleben angekommen ist, nutzt die Bibliothek eben anders: als Ort zum Arbeiten zwischen zwei Terminen, mit besserem Kaffee in der Nähe, als man denkt.
Fazit
Zehn Euro im Jahr für den Zugang zu Millionen Medien, digitalen Archiven und Arbeitsplätzen in der ganzen Stadt: Es gibt in Berlin wenige Angebote mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Anmeldung dauert einen kurzen Besuch mit Personalausweis, danach steht das gesamte Netz offen.
